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Safe to Burn — Was bedeutet das Label für klimaneutrale Kunststoffe?

Das #SafeToBurn-Label kennzeichnet Kunststoffe aus erneuerbaren Rohstoffen, deren Verbrennung klimaneutral ist. Erfahren Sie, was hinter dem offenen Standard steckt und warum bio-basiert nicht biologisch abbaubar bedeutet.

Green Chemistry · 3.4.2026

Safe to Burn — Was bedeutet das Label für klimaneutrale Kunststoffe?

Kunststoff und Klimaschutz — zwei Begriffe, die selten im selben Satz fallen, ohne dass es um Verzicht oder Verbote geht. Dabei gibt es längst Polymere, die bei ihrer Verbrennung nur das CO2 freisetzen, das zuvor aus der Atmosphäre gebunden wurde. Genau hier setzt das #SafeToBurn-Label an: ein offenes Kennzeichen für Kunststoffe, deren End-of-Life-Bilanz klimaneutral ist.

Was steckt hinter #SafeToBurn?

#SafeToBurn ist kein proprietäres Zertifikat eines einzelnen Unternehmens. Es ist ein offener Standard. Jeder Hersteller, Verarbeiter oder OEM, der fossilfreie Kunststoffe einsetzt, darf das Label auf seinen Produkten verwenden. Die einzige Voraussetzung: Das Material muss nachweislich aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen — entweder bio-basiert oder aus CO2-basierten Verfahren wie Direct Air Capture (DAC).

Die Logik dahinter ist einfach: Wenn ein Kunststoff ausschließlich Kohlenstoff enthält, der zuvor der Atmosphäre entnommen wurde, ist seine Verbrennung netto klimaneutral. Der Kohlenstoffkreislauf schließt sich. Bei erdölbasierten Kunststoffen ist das nicht der Fall — dort wird fossiler Kohlenstoff freigesetzt, der seit Millionen Jahren im Boden gebunden war.

Warum braucht die Industrie dieses Label?

Einkaufsleiter und Sustainability Manager stehen vor einem konkreten Problem: Recyclingquoten steigen, aber nicht jedes Kunststoffprodukt lässt sich wirtschaftlich recyceln. Verbundmaterialien, kontaminierte Verpackungen, kleinteilige Bauteile — ein erheblicher Anteil landet in der thermischen Verwertung. In Deutschland werden rund 53 Prozent der Kunststoffabfälle energetisch verwertet.

Für diese Fraktion macht es einen fundamentalen Unterschied, ob der verbrannte Kunststoff aus fossilem oder erneuerbarem Kohlenstoff besteht:

  • Fossiler Kunststoff: Verbrennung setzt zusätzliches CO2 in die Atmosphäre frei. Die Klimabilanz ist negativ.
  • Erneuerbarer Kunststoff: Verbrennung setzt nur CO2 frei, das zuvor gebunden wurde. Die Netto-Bilanz ist null.

#SafeToBurn macht diesen Unterschied sichtbar — gegenüber Kunden, in Nachhaltigkeitsberichten und für die regulatorische Bewertung unter CSRD und PPWR.

Welche Materialien qualifizieren sich?

Nicht jeder Biokunststoff ist automatisch #SafeToBurn. Entscheidend ist, dass der Kohlenstoff im Polymer aus erneuerbaren Quellen stammt. Die wichtigsten Materialklassen:

Bio-basierte Drop-in-Polymere

Diese Kunststoffe sind chemisch identisch mit ihren fossilen Pendants, werden aber aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sie lassen sich in bestehenden Anlagen ohne Umrüstung verarbeiten.

  • Bio-PE (Bio-Polyethylen): Hergestellt aus Bioethanol, gewonnen aus Zuckerrohr. Braskem produziert in Brasilien über 200.000 Tonnen pro Jahr. Chemisch und mechanisch identisch mit fossilem PE.
  • Bio-PA11 (Bio-Polyamid 11): Hergestellt aus Rizinusöl. Arkema vertreibt es unter der Marke Rilsan. Eingesetzt in Automotive, Öl- und Gasindustrie, Sportartikel.
  • Bio-PP (Bio-Polypropylen): Ebenfalls aus Bioethanol. Verfügbarkeit steigt, Braskem und LyondellBasell bauen Kapazitäten auf.

CO2-basierte Polymere

Noch in der Skalierung, aber mit enormem Potenzial: Polymere aus CO2, das per Direct Air Capture der Atmosphäre entnommen und über Power-to-X-Verfahren in Monomere umgewandelt wird. Anbieter wie Twelve und Electrochaea arbeiten an industriellen Prozessen.

Was sich nicht qualifiziert

Kunststoffe mit fossilen Additiven, Füllstoffen oder Blends, die nur teilweise bio-basiert sind, erfüllen den #SafeToBurn-Standard nicht vollständig. Der bio-basierte Anteil muss nachweisbar und zertifiziert sein — etwa über ISCC+ oder RSB.

Bio-basiert ist nicht biologisch abbaubar

Ein häufiges Missverständnis, das in der B2B-Kommunikation regelmäßig zu Verwirrung führt: Bio-basiert und biologisch abbaubar sind zwei völlig verschiedene Eigenschaften.

  • Bio-basiert beschreibt die Herkunft des Rohstoffs. Bio-PE kommt aus Zuckerrohr, ist aber chemisch identisch mit fossilem PE und genauso persistent.
  • Biologisch abbaubar beschreibt das Verhalten am Lebensende. PLA (Polymilchsäure) ist biologisch abbaubar, aber nur unter industriellen Kompostbedingungen.

Ein Kunststoff kann bio-basiert sein, ohne biologisch abbaubar zu sein. Und umgekehrt. Für #SafeToBurn ist ausschließlich die Rohstoffherkunft relevant — nicht die Abbaubarkeit.

Recycling bleibt die erste Wahl

#SafeToBurn ist kein Argument gegen Recycling. Im Gegenteil: Die Abfallhierarchie bleibt bestehen. Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln — erst dann kommt die thermische Verwertung. Aber wenn ein Kunststoffprodukt am Ende seines Lebens verbrannt wird, dann sollte es klimaneutral verbrennen.

Das Label adressiert die Realität: Trotz steigender Recyclingquoten wird ein relevanter Anteil der Kunststoffe thermisch verwertet. Für diesen Anteil schafft #SafeToBurn Transparenz und ein klares Differenzierungsmerkmal.

Was bedeutet das für Ihren Einkauf?

Für OEMs und Hersteller ergeben sich konkrete Handlungsoptionen:

  1. Materialsubstitution prüfen: Viele erdölbasierte Standardkunststoffe haben bio-basierte Drop-in-Alternativen. Die Umstellung erfordert keine neuen Werkzeuge oder Prozesse.
  2. Preisdelta einordnen: Bio-PE kostet aktuell 15-30 % mehr als fossiles PE. Bei Produkten, in denen das Gehäuse 2-5 % der Gesamtkosten ausmacht, ist der Aufpreis auf das Endprodukt marginal.
  3. Berichtspflichten nutzen: Unter CSRD und PPWR wird die Klimabilanz von Verpackungen und Materialien berichtspflichtig. #SafeToBurn-Materialien verbessern diese Bilanz messbar.
  4. Lieferketten aufbauen: Die Verfügbarkeit bio-basierter Polymere steigt. Frühzeitige Partnerschaften sichern Zugang und Konditionen.

Fazit: Transparenz statt Greenwashing

#SafeToBurn ist bewusst einfach gehalten. Kein aufwändiger Zertifizierungsprozess, keine Lizenzgebühren, keine Gatekeeper. Die Aussage ist binär: Entweder der Kunststoff besteht aus erneuerbarem Kohlenstoff — oder nicht. Diese Klarheit macht das Label glaubwürdig und schwer angreifbar.

Für Unternehmen, die ihre Kunststoffbilanz verbessern wollen, ohne auf Leistung oder Verarbeitbarkeit zu verzichten, sind bio-basierte Drop-in-Polymere der pragmatischste Hebel. #SafeToBurn macht diesen Vorteil kommunizierbar.


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